Als Rabat(t) noch eine Stadt in Marokko war, oder der Anspruch das beste Auto der Welt zu sein.

Helmut Kohl hatte eine. Mario Adorf, Michael Schanze und die globale Sport-Elite ebenfalls. Und die Jungs vom Kiez sowieso. - Die Mercedes-Benz S-Klasse der Baureihe W126.

 

Vorgestellt 1979 auf der IAA in Frankfurt, ist der große Mercedes angetreten, das beste Auto der Welt zu sein. Und Fachpresse wie Käufer haben es ihm zugestanden. Ein Modellzyklus von 12 Jahren und eine gebaute Stückzahl von 892.193 Exemplaren machen ihn bis heute zur erfolgreichsten Luxuslimousine aller Zeiten. Neben Innovationen wie dem Anti-Blockier-System oder dem Fahrerairbag haben sicherlich Bruno Saccos elegante Linienführung dazu beigetragen. Und so zeitlos elegant mit nur  48.953km auf dem Kilometerzähler steht er nun vor uns, der 300SEL aus der letzten Serie.

Auf der Feierabend-Tour über die Landstrassen und Autobahnen des Münchner Ostens zeigt sich auch heute noch die Zugehörigkeit zur Klasse der Luxusliner. Klar, Xenon-Scheinwerfer und Luftfahrwerk heutiger Limousinen sind eine feine Sache. Angesichts der Ruhe, sowohl im Fahrwerk wie auch der Innenraum-Akkustik des fast 30 Jahre alten SEL, vermisst man diese Details allerdings nicht. Ungewöhnlich in diesem Gesamtpaket fühlt sich zunächst das manuelle Getriebe an. Nach kurzer Zeit aber lernt man die Möglichkeit, die Gänge selber zu sortieren, zu schätzen. Denn verglichen mit dem trägen Ansprechverhalten des 4-Gang-Automaten, gibt sich die 5-Gang-Box fast sportlich. Der Reihensechszylinder unseres 300 SEL bleibt stets still und leise im Hintergrund und macht sich lediglich bei Überholvorgängen bemerkbar.

 

Der erste Besitzer hat sich am 08.Oktober 1985 neben der Aussenfarbe nautikblau für die Sonderpolsterung "978 Velours grau" entschieden. Für 1.780DM hat er damit ein Ausstattungsdetail erworben, was dieser S-Klasse nicht nur sehr gut zu Gesicht steht und heute noch in bestem Zustand ist, er hat sich für etwas entschieden, was heute nahezu ausgestorben ist. Und nimmt man dann mal Platz dort hinten rechts, im Fond des um 14cm verlängerten SEL, so lässt es sich gut nachvollziehen, warum es die Weizsäckers und Kohls dieser Welt so lange im Amt ausgehalten haben.

Der Blick in die Historie unseres W126 verrät im Übrigen, dass der Besteller von seinem ursprünglichen Kaufvertrag eines 300 SE nach 2 Monaten umgeschwenkt ist auf die Langversion. Was ihn das ursprüngliche Zugeständnis des berechnungsfreien Radios gekostet hat.

Womit wir wieder bei der Stadt in Marokko wären. Denn der S-Klasse-Kunde des Jahres 1985 hatte den unverbindlichen Listenpreis seines Wunschobjektes noch vollumfänglich bis zur Nachkommastelle zu begleichen. Inklusive der 7,20DM für den Fahrzeugbrief.